Freitag, 10. Juni 2011

Vom Karibikstrand nach Feuerland - Quer durch Südamerika

Mit 14 Personen allen Alters in einem kleinen Mini-Van, dazu eine altersschwache Ziege und ein Sack Meerschweinchen auf dem Dach, so pendelt man in Peru. Ein eigenes Auto ist schon der Gipfel des Luxus in einem Land, in dem auch heute noch viele Dörfer nur aus der Luft oder über Wasser zu erreichen sind. Während der Regenzeit kommt es zudem immer wieder zu Erdrutschen, die ganze Straßenzüge unpassierbar machen. Da eine gut vernetzte Infrastruktur auch immer ein Indikator für die Wirtschaftskraft eines Landes ist, wird in und um die Ballungszentren kräftig investiert und gebaut. Dies geht leider oft zu Lasten des fragilen Ökosystems, denn das Geld steckt in Rohstoffen wie Öl und Gas, die aus Quellen im grünen Herzen Perus an die Umschlagplätze an der Küste transportiert werden müssen.

Die Bevölkerung Perus profitiert dabei kaum vom fossilen Reichtum. Ähnlich wie in Venezuela wird der Großteil des geförderten Öls exportiert - in erster Linie in die USA - um dann wieder teuer eingekauft zu werden. In ganz Südamerika findet man deshalb die stabilste Infrastruktur innerhalb der großen Städte oder an den Küsten wie auch auf dem südlichen Teil der Panamericana, die sich von Alaska bis nach Feuerland in Chile erstreckt. Auf diesen Routen verkehren bis auf einzelne klimatisierte Komfortbusse für den touristischen Reiseverkehr kaum private Fahrzeuge - viele Südamerikaner haben ihr Land noch nie verlassen und Mobilität findet fast ausschließlich im Kleinen statt.

Wenn Señora Campos aus Quito, der Hauptstadt Ecuadors, ihre Familie im Norden des Landes besuchen möchte, dann steht ihr eine mehrtägige Reise bevor. Zwar ist Ecuador mit einer Fläche von rund 250.000 km² etwas mehr als halb so groß wie Deutschland, doch machen die extremen Höhenunterschiede von bis zu 3.000 Metern, drei Klimazonen sowie die Ebbe in der Staatskasse eine geregelte Infrastruktur unmöglich. Man verlässt sich also zunächst auf das Collectivo, besagten übervollen Mini-Van, um den nächsten Busbahnhof zu erreichen. Der Bus ist in Südamerika das Transportmittel Nummer eins, da das Schienennetz kaum ausgebaut ist.

Die Langstreckenbusse bringen die Señora zunächst im schlimmsten Fall unklimatisiert und mit einem Sitzplatz auf dem Boden in die nächste größere Stadt. Oft kann man während der Fahrt in den meist ausrangierten alten US-Schulbussen die atemberaubende Aussicht auf einem 3.000 Meter hohen Bergpass (auf Schotter und ohne Leitplanke versteht sich) genießen. Dann heißt es: Raus aus dem Bus und rein ins Boot! Dabei sollte man schnell sein, denn rund 200 weitere Personen haben schon ihre Hängematten für die knapp 2-tägige Reise auf den Ausläufern des Amazonas kreuz und quer an Deck befestigt. Wenn Señora Campos Glück hat, dann wird sie ihr Ziel in den nächsten Tagen erreichen. Dieser optimale Reiseverlauf ist jedoch selten garantiert: Starke Regenfälle, verspätete Busse, überfüllte Boote und weitere unvorhergesehene Ereignisse lassen so eine Reise oft zu einer mehr oder weniger lustigen Odyssee werden.

Wer von Bussen nicht genug kriegen kann, der sollte in Kolumbien nach bunten Chivas Ausschau halten. Diese offenen Partybusse versprechen abwechslungsreiche und abendfüllende Mobilitätserlebnisse und lassen die Strapazen des Alltagstransports schnell vergessen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen