Fliegt man mit einem Zwischenstopp in Dubai, Hongkong, Kuala Lumpur oder Sydney immer weiter in Richtung Südosten, dann erreicht man irgendwann Neuseeland, das Land der großen weißen Wolke (Aotearoa). Dieses liegt mit seinen zwei Haupt- und ca. 700 Nebeninseln mitten im ozeanischen Nirgendwo und ist genau wie Australien am bequemsten mit dem Flugzeug zu erreichen. Von der ersten Besiedlung der entfernten Inseln erzählen noch heute viele alte Legenden der Maori, der neuseeländischen Ureinwohner, die ihrerseits vor rund 800 Jahren von Polynesien aus mit handgezimmerten Einbäumen an den unberührten Stränden Neuseelands landeten. Ihnen gleich taten es 400 Jahre später die Holländer, die allerdings nur kurz lebendigen Fußes über die Insel streifen konnten, ehe sie ihren Preis für das Eindringen in fremdes Territorium zahlen mussten.
Bis ins 20. Jahrhundert hinein brachten Schiffe immer wieder mal mehr, mal weniger gern gesehene Gäste. Nach einer großen Einwanderungswelle aus Europa folgen Ungeziefer, Krankheiten und Nagetiere, denen bis heute ein Großteil der einheimischen Fauna zum Opfer fiel. Diese war durch die natürliche Abgeschiedenheit Neuseelands lange Zeit evolutionsbiologisch abgeschottet gewesen und ist deswegen bis heute einzigartig.
Heute ist Neuseeland touristisch bis in den letzten Winkel erschlossen, an das internationale Flugnetz angebunden und amerikanisiert. Da das Land bis heute noch mehr Schafe als Einwohner hat ist ein eigenes Auto immer noch der Gipfel des neuseeländischen Luxus, denn dort kommt es durchaus vor, dass der nächste Nachbar 10 Kilometer weiter in einem Leuchtturm am Meer haust. Der Neuseeländer fährt Auto, am liebsten eine asiatische Marke und mit Vierradantrieb versehen, da der berühmte 90-Mile-Beach im Norden des Landes bei Ebbe als Straße dient und viele Streckenabschnitte nicht geteert sind.
Wenn man einsame Autofahrten liebt, dann ist Neuseeland genau der richtige Ort. Hier trifft man höchstens ab und zu eine Schafherde oder ein Oppossum, letzteres leider meist im Straßengraben. Kein Problem für die Neuseeländer - die Nagetiere gelten als Bedrohnung der heißgeliebten Kiwis und sind daher zum Abschuß freigegeben.
In Sachen Mobilität gleicht Neuseeland heute erschreckend Europa oder den USA - der nächste Drive-In ist meist nicht weit. Wenn man trotzdem nach etwas traditionelleren Fortbewegungsmitteln sucht, so findet man sie (zu Touristenpreisen versteht sich) noch fest in Maorihand: Eine Fahrt mit einem Einbaum ist möglich, aber reizlos. Abenteuerfans sollten sich eine vierwöchige Fahrt auf einem Containerschiff gönnen, sich auf das Ende der Welt freuen und Hobbitpilger und Fast-Food-Ketten ausblenden.